Rheinmetall eröffnete am 22. Oktober offiziell seine UK Gun Hall in Telford und stellte damit eine heimische Fertigungskapazität für großkalibrige Waffen wieder her, die laut britischem Verteidigungsministerium seit zwei Jahrzehnten fehlte. Das Werk fertigt Rohre und Verschlüsse für Systeme der Kaliber 120 und 155 Millimeter.

Die Eröffnungsfeier ist ein industrieller Meilenstein, war aber nicht der erste Produktionstag. In seiner Mitteilung zur Eröffnung erklärt Rheinmetall, die Fertigung von Verschlüssen und Verschlussblöcken habe im Mai 2026 begonnen, die Rohrproduktion im Juni.

Kapazität ist nicht gleich Ausstoß

Das Unternehmen beziffert die jährliche Spitzenkapazität auf bis zu 245 Rohre beider Kaliber zusammen sowie mehr als 50 Verschlüsse. Die Angaben beschreiben die mögliche Leistung bei voller Kapazität, nicht eine bestätigte Zahl bereits an Streitkräfte gelieferter Komponenten.

Die 11.500 Quadratmeter Produktionsfläche sollen Challenger 3 und künftige Artillerieplattformen unterstützen. Das Ministerium nennt außerdem RCH 155 als unterstütztes System; damit verbindet das Werk die Anforderungen von Panzerbewaffnung und Artillerie.

Auch die Beschäftigung soll schrittweise wachsen. Rheinmetall nennt derzeit 35 Beschäftigte in der Gun Hall und erwartet mit steigender Produktion mehr als 100; auch der Bericht des Rats von Telford & Wrekin beschreibt rund 100 Stellen als künftiges Ergebnis des Ausbaus.

Britische Fertigung mit deutschem Fachwissen

Nach Angaben des Ministeriums wurden britische Beschäftigte vor ihrer Rückkehr nach Telford im Rheinmetallwerk Unterlüß in Deutschland ausgebildet. Die Schulung umfasste Präzisionsfertigung, Qualitätssicherung und spezialisierte Waffenproduktion; neben Maschinen wurde damit praktisches Wissen übertragen.

Regierung und Unternehmen verknüpfen das Projekt mit dem Abkommen von Trinity House, das Großbritannien und Deutschland im Oktober 2024 unterzeichneten. Heimische Fertigung wird hier durch eine Industriepartnerschaft mit einem deutschen Lieferanten wieder aufgebaut.

Rheinmetall plant zudem, Stahl von Sheffield Forgemasters einzusetzen. Das ist ein angekündigter nächster Schritt in der Lieferkette und keine Bestätigung, dass jedes derzeit gefertigte Rohr bereits aus britischem Stahl besteht.

Ersatzkapazität wird zum militärischen Bedarf

In seiner Rede bei der Eröffnung erklärte der britische Heereschef General Sir Roly Walker, Streitkräfte müssten Gefechtssysteme in dem Tempo reparieren und ersetzen können, in dem ein Krieg sie verbraucht. Damit verknüpft er Fabrikkapazität mit anhaltender Einsatzbereitschaft, nicht allein mit der Lieferung neuer Ausrüstung.

Rohre und Verschlüsse sind Komponenten; ihre Produktion entspricht deshalb nicht derselben Zahl vollständiger Panzer oder Artilleriesysteme. Ebenso lässt die angekündigte Kapazität offen, wie viele fertige Waffen britische Einheiten in einem bestimmten Jahr erreichen werden.

Die unmittelbare Veränderung ist ein wieder arbeitender britischer Standort für diese Fertigungsverfahren. Sein längerfristiger militärischer Beitrag hängt von Aufträgen, Produktionshochlauf und Auslieferung ab; die Personalpläne und der geplante Stahleinsatz zeigen, welche Teile des Ausbaus noch bevorstehen.