Pakistan hat am 12. Oktober erneut ein afghanisches Vorgehen gegen grenzüberschreitende militante Netzwerke gefordert. Vorausgegangen war eine gemeldete Konfrontation im Distrikt Kurram. Vizepremier und Außenminister Ishaq Dar verlangte überprüfbare und dauerhafte Maßnahmen gegen Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP). Die afghanischen Taliban wiesen die weitergehenden Vorwürfe Pakistans zurück.

Der diplomatische Austausch folgte auf eine pakistanische Militärmitteilung vom 11. Oktober über einen versuchten Grenzübertritt in Kurram. Nach Darstellung des Militärs war die Bewegung der Gruppe am 10. Oktober erkannt worden, einen Tag vor der Veröffentlichung.

Gefordert werden nachweisbare Schritte

Die offizielle pakistanische Darstellung von Dars Rede am 12. Oktober bestätigt seinen Auftritt bei einer Antiterrorkonferenz des Institute of Strategic Studies Islamabad. Er forderte die afghanischen Behörden auf, Angriffe auf Pakistan oder andere Länder von ihrem Gebiet aus zu verhindern und gegen die TTP sowie weitere bewaffnete Gruppen vorzugehen.

In einem von Arab News veröffentlichten Bericht der Associated Press warnte Dar außerdem, die in Afghanistan tätigen Kämpfer könnten später die Taliban-Regierung selbst bedrohen. Das war seine Einschätzung, keine gesicherte Prognose über das künftige Verhalten dieser Gruppen.

Der afghanische Regierungssprecher Zabihullah Mujahid wies die Anschuldigungen zurück. Er warf pakistanischen Amtsträgern vor, Verhandlungen zu behindern und Propaganda vorzuziehen. Pakistans Informationsministerium entgegnete, Dialog setze ein Vorgehen Kabuls gegen Rückzugsorte und Unterstützungsnetzwerke voraus. Offen blieb damit dieselbe Frage: Welche Schritte würden beide Seiten als ausreichend anerkennen?

Pakistans Darstellung des Vorfalls in Kurram

Laut Khaama Press erklärte Inter-Services Public Relations, die Pressestelle des pakistanischen Militärs, Soldaten hätten am 10. Oktober im Distrikt Kurram in Khyber Pakhtunkhwa eine aus Afghanistan herannahende Gruppe erkannt. Das Militär behauptete, afghanische Taliban-Posten hätten den versuchten Grenzübertritt durch Feuer unterstützt.

Pakistan meldete zwölf Tote auf der Gegenseite und einen getöteten pakistanischen Soldaten. Bei den Gegnern habe es sich um TTP-nahe Kämpfer und afghanische Taliban-Angehörige gehandelt; eine Aufschlüsselung fehlte. Opferzahlen, Identitäten und die Behauptung unterstützenden Feuers wurden in den ausgewerteten Berichten nicht unabhängig bestätigt.

Mujahids Antwort betraf die allgemeinen Vorwürfe Pakistans. Sie ist keine ausführliche afghanische Darstellung des Feuergefechts in Kurram. Eine spezifische Antwort, die dessen Umstände klärt, enthielten diese Berichte nicht.

Zwei Organisationen, eine umstrittene Beziehung

Die TTP ist von den afghanischen Taliban-Behörden organisatorisch getrennt, obwohl enge Verbindungen bestehen. Pakistan wirft Kabul vor, TTP-Aktivitäten von afghanischem Gebiet zuzulassen. Die afghanischen Behörden bestreiten, Rückzugsräume für Angriffe auf Pakistan bereitzustellen.

Diese Unterscheidung ist für die Kurram-Meldung wesentlich. Die behauptete Beteiligung afghanischer Grenzkräfte, die behauptete TTP-Infiltration und die politische Verantwortung Kabuls sind getrennte Aussagen. Eine einzelne amtliche Darstellung bestätigt nicht alle drei unabhängig.

Dars erneute Forderung rückt nachweisbare Maßnahmen und diplomatische Antworten in den Mittelpunkt. Die offenen Tatsachenfragen in Kurram sind enger gefasst: Wer überschritt die Grenze, wer schoss und welche Verluste lassen sich unabhängig belegen?